Betrieb eingestellt

Die nikmedia hat den Betrieb eingestellt.

Was auf den ersten Blick kostenlos ist, kann unter Umständen teurer als Premium werden. Diese Erfahrung haben wir mit einem Foto von Wikipedia gemacht.

Eigentlich muss man nur nach "Abmahnung Sven Teschke" googeln, um zu erfahren, wie man mit scheinbar kostenlosen Fotos Geld verdienen kann. Sven Teschke ist Hobbyfotograf und stellt seine Fotos gerne bei Wikipedia zur Verfügung. Die dort eingestellten Fotos können in der Regel kostenlos weiterverwendet werden. Es gibt für solche Fotos verschiedene Lizenzmodelle bei Wikipedia, die jedoch alle gemein haben, dass sie auf anderen Seiten eingebunden werden dürfen. Dabei sind teilweise Auflagen zu beachten, zum Beispiel die Nennung des Namens des Fotografen. Genau dies scheint sich Teschke zu Nutze zu machen.

Seine Fotos sind unter der „Wikimedia Commons“ Lizenz eingebunden und dürfen bei Nennung des Namens weiterverwendet werden. Uns ist bei Burgwedel Aktuell leider der Fehler unterlaufen, in einer Fotomontage ein Foto von Teschke  zu benutzen, ohne darunter seinen Namen zu nennen. Das Foto zeigt Wolfgang Kubicki, der den FDP Stadtverwand Burgwedel besuchte und wurde von Wikipedia entnommen. In der Originalversion haben wir, wie es sich gehört, den Urheber genannt. Bei der Montage, in der das FDP Logo eingearbeitet wurde, haben wir es vergessen. Das darf natürlich nicht passieren und tut uns leid. Ein Anruf hätte genügt, in weniger als einer Minute wäre das kleine Missgeschick behoben. Gerne hätten wir uns auch mit einer Tafel Schokolade oder einer Flasche Sekt entschuldigt. Doch hier geht es nicht um eine höfliche Entschuldigung, sondern offenbar um eine Möglichkeit, viel Geld zu verdienen.  

Eine Abmahnung flatterte uns ohne Vorwarnung ins Haus, die Forderung beläuft sich auf insgesamt 719,30€. Viel Geld für diesen kleinen Bildausschnitt und einen vergessenen Namen.

Es bedurfte keiner langen Recherchen, um festzustellen dass dies offenbar eine seit vielen Jahren praktizierte Masche ist. Mit etlichen Abmahnungen, so ist in Foren und auf Blogs zu lesen, wurde auf diese Weise viel Geld verdient. So gibt es offenbar Wikipedia-Aktive, die vordergründig eine „Open Source“-Kultur pflegen, letztlich aber nur auf Fehler der Nutzer warten, um sie dann abmahnen zu können.

Besonders merkwürdig fanden wir die an uns gestellte Frist: Am 11.08 flatterte der Brief hier ein, bis zum 12.08. hätten wir Zeit zu reagieren. Zunächst wollten wir mit einem Fax fristgerecht antworten, doch die Gegenstelle nahm das Fax nicht an. Ein Anruf in der Kanzlei brachte Klarheit. Der Anruf wurde auf ein Handy weitergeleitet, am Telefon der Anwalt persönlich: Die Kanzlei sei den ganzen Monat nicht besetzt, das Fax ausgeschaltet. „Und wer verschickt die Abmahnungen?“, fragten wir ungläubig? „Zurzeit niemand aus der Kanzlei, da ist keiner“, war die Antwort. Da stellt sich uns die Frage: Wer hat das Schreiben mit dem Briefkopf der Kanzlei verschickt? Handelt es sich um Massenabmahnungen, die von einem beauftragten Unternehmen oder gar dem „Geschädigten“ selbst versendet werden?

Die Politik kennt das Problem seit Jahren: Massenabmahnungen sind ein Geschäftsmodell. Der ursprüngliche Zweck einer Abmahnung wird dadurch völlig verfehlt. Es geht nur ums abzocken. Schon lange fordern Netzaktivisten, dass den Massenabmahnern Einhalt geboten wird und gesetzliche Grundlagen enge Rahmenbedingungen für Abmahnungen festlegen. Doch geschehen ist bisher nichts, und so muss jeder Abgemahnte für sich kämpfen. Wir werden das jedenfalls nicht hinnehmen und unsererseits dagegen angehen. Die Kanzlei wird das nicht weiter stören, sicher gibt es schon haufenweise vorgefertigte Antwortscheiben auf Proteste und Widersprüche. Am Ende wird dann eben etwas weniger verlangt, aber lukrativ bleibt es trotzdem.

An Herrn Teschke, den Anwalt und allen anderen, die so Ihr Geld verdienen, sei gesagt: Sie sind juristisch im Recht, aber moralisch voll daneben.

Foto: Sven Teschke /. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons -

Diese winzige Bildausschnitt in der Montage hat einen Streitwert von 719,30 €!
Wir nennen lieber nochmals die Quelle:
Foto: Sven Teschke /. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons -  

Das andere Foto (Geldscheine) stammt von pixabay.com. Hier muss weder der Name genannt werden, noch drohen andere Fallstricke. Die Fotografen verzichten auf ihr Urheberrecht, nehmen dafür aber gerne Spenden entgegen.

John Weitzmann, Projektleiter Recht bei Creative Commons Deutschland, schrieb uns dazu:

Es gibt zwar die genannten Fotografen mit der Masche, andererseits ist es wichtig, dass klargestellt wird, dass eine CC-Lizenzierung gerade kein "macht damit was ihr wollt" bedeutet. Die Namensnennung ist der Kern der ganzen Remix-Kultur und damit auch des CC-Modells und allzu oft wird ganz schlicht gedankenlos ohne Angaben genutzt, weil man sich auch noch das letzte Bisschen Aufwand sparen will. Dann sollte man allerdings lieber auf völlig freigegebenen Content setzen, nach dem man ggf. etwas länger suchen muss, unterm Strich also ähnlicher Aufwand. Die Namensnennung in die Nähe einer lästigen Kostenfalle zu rücken, erscheint dann doch etwas problematisch. Das moralische Unrecht wird jedenfalls nicht wirklich deutlich. Im Übrigen wurde für die neue Version 4.0 der CC-Lizenzen (gilt bei z.B. Wikimedia Commons allerdings nicht rückwirkend, sondern für neue Inhalte) eine 30-tägige Heilungsfrist vorgesehen = man hat ab Info 30 Tage Zeit, die fehlende/fehlerhafte Namensnennung zu korrigieren und gilt dann nicht als Lizenzverletzer. Das könnten Sie ja vll nocht als Ergänzung in den Artikel aufnehmen. Es wird zukünftig die genannte Masche deutlich erschweren.

Viele Grüße
John H. Weitzmann
CC DE Legal Project Lead